Mee(h)r im Herzen
Gedanken & Geschichten

Was bleibt…?!

Am Ende deines Lebens, was bleibt da von dir? Wenn dein Name nur noch ein Flüstern ist, getragen vom Wind der Vergangenheit. Wenn die Träume die du bautest nur noch zerbröckelte Mauern sind, von der Zeit hier und da angeknabbert, ihrer Farben beraubt.

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Was ich weiß ist, dass am Ende nicht zählt, was die Menschen gesehen haben. Nicht die Größe deiner Kleider, nicht die Zahlen auf der Wage. Es wird nicht wichtig sein, welche Frisur du getragen hast, ob dein Gesicht ebenmäßig war, deine Augen groß, deine Lippen voll, deine Nase zierlich und deine Haut rein.
Es wird egal sein, wieviel du verdient hast. Es wir egal sein, ob du Macht hattest, oder den Mächtigen den Kaffee gebracht hast. Es wird niemanden interessieren, ob du einem Ideal entsprochen hast, das im Zweifel nicht deines war.
Was von dir bleiben wird, sind die Reisen die du unternommen hast und die Veränderungen, die du mit dir in die Welt getragen hast.

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Du wirst bleiben in den Geschichten die du erzähltest, in den Träumen die du lebtest. Du wirst bleiben in den Liedern die du auf deinem Weg gesungen hast, in den Tränen die du weintest. Dem Lachen, das du teiltest und dem Halt den du gabst. In der Liebe die du schenktest und dem Vertrauen mit dem du jemandem die Hand reichtest.
Du wirst bleiben in den Dingen an die du glaubtest. Die, die du der Welt in ihr Ohr flüstertest, als du noch nicht wusstest, wie du sie erreichen kannst.
Und du wirst bleiben in den Menschen die du liebtest. In denen, die deinen Weg begleiteten. Denen du dein Herz und deine Träume schenktest. Egal wie weit, egal wie lang. Sie werden es am Ende sein, die auf die staubigen Mauern deines Lebens Blumen pflanzen. Die dann wachsen. Auf dem Fundament aus Liebe, Freundschaft, Vertrauen und Güte, dass du geschaffen hast… Und so – wirst du niemals wirklich gehen!

*** Die Fotos entstanden bei meinem letzten Heimatbesuch. Meine Eltern wohnen direkt am Dorfteich in der alten Ortsmitte. Die Häuser um diesen Teich sind sehr alt. Unser eigenes wurde das erste Mal 1885 in Urkunden verzeichnet. Wie alt es tatsächlich ist, wissen wir nicht. Direkt gegenüber liegt die alte Räucherkate von 1560 und davor ein leer stehendes Gebäude. In diesem wohnten tatsächlich schon einige Freunde und – eine kurze Zeit lang – auch meine Großeltern. Vor einigen Jahren starben dann nacheinander das Ehepaar, das in der einen und unsere liebe Rose, die in der zweiten Wohnung lebte. Seitdem – grob acht Jahre, steht das Haus leer. Niemand kam mehr vorbei, niemand ging mehr hinein. es ist baufällig, der steinerne Kamin ist zerbrochen und seine verrußten Mauern stehen wie ein schwarzes Denkmal mitten im Raum. Als ich dann vor einigen Wochen herüber ging, nur um mal zu schauen, war die Glastür eingeschlagen worden und die Tür ließ sich öffnen. Auf dem Boden eine dicke Schicht aus Schutt, Reet und alten Tapeten. An den Wänden ein Flickenwerk aus gesprungener, abgeblätterter Farbe und verblassten Mustern, unterbrochen durch helle Vierecke, dort wo einmal Fotos hingen. Irgendwie hatten die Räume einen besonderen Zauber. Während draußen die Sonne schien, die Welt voller Leben, war hier drinnen alles still und kaputt, leicht muffig und dem Verfall ausgeliefert. Ich musste Fotos machen. Für solcherlei Schandtaten ist mein Tim zum Glück zu haben. Ich hoffe, das Ergebnis gefällt euch und ich werde das eine oder andere Foto bestimmt noch mal auf Instagram teilen***

 

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