Mee(h)r im Herzen
Thirty something

Thirty something Opener

Das Lebensgefühl mit 20. Wie wundervoll es war! Jeder erinnert sich und oft treffen diese Erinnerungen auf ein sanftes, wehmütiges Lächeln versteckt im Mundwinkel und ein Seufzen. Wie es war? Der Unsicherheit der Teenagerjahre gerade entwachsen, liegt dir die Welt zu Füßen. Alles ist möglich. DU kannst dich für alle Wege entscheiden die vor dir liegen. Nichts bindet dich, nichts hält dich fest, außer dir selbst im Zweifel. Niemand belächelt dich für deine Träume, für das was du bist oder sein willst. Und wenn es doch jemand tut, dann kannst du mit straff gespannten Schultern und jugendlichem Trotz sagen “Jetzt erst Recht – dir werde ich es zeigen!”. Du kannst laufen, wohin dich deine Füße und dein Herz tragen. Und wenn du fällst, kannst du dir den Staub von der Kleidung klopfen und neu beginnen. Denn du hast unendlich viel Zeit, die Welt gehört dir! Ganz allein. Du springst auf deinen Wegen, du tanzt durch die Nächte, du lachst und weinst, du leidest mit ganzem Herzen nächtelang mit dem Rotweinglas in der Hand und starrst aus dem offenen Fenster auf die Lichter der Stadt. Irgendwo da draußen – das weißt du – liegt deine Zukunft. Die du in jedem dieser Jahre so fest in den eigenen Händen hältst, nach der du nur die Fingerspitzen ausstrecken musst um sie zu erhaschen. Und egal ob du Fehler machst, oder gleich den “richtigen” Weg wählst, ob du dabei Rebell bist, Visionär oder konservativ – du bist jung. Du kannst sein wer du willst und Träume haben, so groß wie Bergmassive.

Dann eines Tages – wirst du 30. Plötzlich beginnen Menschen, sie dir irgendwie abzusprechen. Die Naivität, die Träumereien, die Visionen und Umwege, die Fallstricke und Steine, die du auf deinem Weg findest oder die du dir selbst hinlegst. Du hast plötzlich erwachsen zu sein, zu wissen wo dein Weg hin geht. Du musst an die Zukunft denken, denn von heute auf morgen, scheint diese plötzlich sehr viel kürzer zu sein. Die Träume, die du bis dahin hattest vergräbst du, denn andere Dinge sind wichtiger. Was du bis hierhin nicht erreicht hast, ist plötzlich nicht mehr “aufregend, jung und erfrischend” sondern nur noch der verzweifelte Versuch, an der langsam blasser werdenden Jugend festzuhalten. Du sollst plötzlich einsehen, das der “Ernst des Lebens” nun auch irgendwann mal beginnen muss. Was ist mit einer Ehe? Kindern? Einem Haus, einem Van?
Und diese Gefühle, diese Fragen, diese Grenzen und Vorurteile, durchbohren doch jeden von uns früher oder später. Manche mehr, manche weniger und nur die Wenigsten von uns schaffen es, sich davon gänzlich zu befreien. Warum das so ist? Keine Ahnung! Was ich aber weiß ist, dass sie nicht zu Ende sind, die Träumereien. Das ich mich seit meinem 30 Geburtstag kein Stück älter fühle, als ich es noch vor 5 Jahren war. Müder? Ja! Desillusionierter? Ein bisschen vielleicht! Ja, ich bin gebunden, es gibt Dinge in meinem Leben (vor allem durch meinen Sohn) die nun mal zur Zeit Vorrang haben vor dem, was ich mir hin und wieder in naiver Vorstellung erträume. Aber das Wichtige ist doch: Sie sind noch da! Ich bin noch immer die Frau, die barfuß durch den Regen läuft, auf dem heißen Asphalt der Straßen. Ich träume noch immer von etwas, von dem ich an manchen Tagen weiß was es sein könnte und das an anderen zu einem diffusen Weltschmerz verschwimmt. Ich habe noch immer Hunger auf die Welt, auf Begegnungen mit Menschen und Orten, die mir den Atem rauben. Ich weine noch immer in mein Weinglas, wenn der Tag scheiße war oder alles, was ich mir noch vorstelle mal wieder so weit weg scheint. Ich liebe noch immer mit ganzem Herzen. Ich habe noch immer Schmetterlinge im Bauch, weil das Leben so wahnsinnig fantastisch ist.
Und deswegen werde ich hier los ziehen und sie einfangen. Die Momente voller Leichtigkeit oder tiefer Schwere. Die nämlich ganz und gar nicht vergangen sind, nur weil ich nicht mehr 20 bin. Ich werde sie für und mit euch finden, sie formen und mit ihnen tanzen. Denn das Leben geht weiter und nur, weil gewisse Dinge uns fester halten als vielleicht noch vor 6 Jahren, sind wir doch nicht der Vorstellung verpflichtet, die selben Wünsche nicht mehr erreichen zu können. Wir träumen doch noch immer, wir wollen doch noch immer mehr. Denn warum sollte das Leben plötzlich weniger bunt, weniger aufregend, weniger prickelnd oder spannend oder weniger voller Möglichkeiten sein? Wir sind Thirty-something… Und unser Leben fängt jetzt erst an!

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