Mee(h)r im Herzen
Thirty something

Ein Sommermärchen

So geht jedes Jahr, jedes Leben. Frühling, Neubeginn, überall. Neues, sanftes und zartes an jeder Ecke. Wir lernen uns neu kennen, umarmen das Leben. Öffnen die Augen und blinzeln in die Sonne. Endlich sehen. Hoffnung spüren und Freude finden. Glück rauscht durch die Venen. Jung sein, frei und wild.
Wir ziehen los, wir lernen laufen. Wir lernen Vertrauen und erleben Verrat. Wir finden uns, im Herzen und in Anderen. Die nehmen wir mit, auf unserem Weg durch das zarte Grün und wenn wir Glück haben, sehen wir mit ihnen mehr als allein. Wir haben alles, haben wir einander. Sehen wir uns um, sehen wir nichts als das süße Leben. Wir sind uns der Sonnenstrahl auf dem Weg, der sanft lenkt. Zusammen. Immer vorwärts. Lernen, laufen, fallen, halten. Aneinander, miteinander und dann, wenn der Sommer kommt haben wir das Wichtigste dabei. Wir wissen, bei wem wir Schatten finden wenn uns schwindlig wird, wenn die Ohnmacht droht. So oft schon aufgefangen. So viel schon gelacht, so viel schon geweint, gestritten und umarmt. Aber der Sommer kommt, das Leben wartet, der Weg geht weiter.

Langsamer ist der Sommer. Hitze, die uns manchmal zum stehen bleiben zwingt. Die uns die Gedanken verschwimmen und den Fokus verlieren lässt. Die, die wir mitgenommen haben liegen neben uns im Gras, schauen mit uns in dem Himmel. Wolken raten. Was kannst du sehen in deiner Zukunft? Dann sehen wir Unterschiedliches in der gleichen Wolke. Zusammen, jeder für sich. So liegen wir da. Die leichte Brise streicht uns über die Haut. Leben, vollkommen. Mehr geht nicht. Denken wir. Haben doch so viel schon gesehen, miteinander. Wir wissen, wer wir füreinander sind.

“Ich werde jetzt gehen!”, sagt die Erste, steht auf und schaut herab. Der Rest schaut sich fragend an, zu ihr hoch “Wohin?” – “Weiter” ist die Antwort “Das Leben umarmen, Leben schaffen!”. Und die anderen? Bleiben liegen. Noch nicht bereit aufzustehen. Aber wir wissen, nur um die Ecke wird sie warten bis wir nachkommen. Uns trennt nichts mehr. Die Perspektiven verschwimmen. Sie rutschen wieder zusammen, das haben wir gelernt. Denn wir folgen. Eine nach der anderen. Der Weg geht weiter. Leben. Zusammen, allein, gemeinsam, jeder für sich.

Bis die Blätter fallen. Bunt, wunderschön – aber auch  knisternd, trocken. Irgendwann, noch nicht jetzt. Jetzt sitzen wir noch da, in der Sommerbrise. Aufbruchsstimmung. Aber sie werden fallen. Sanft und leuchtend, auf unsere Haare. Wir werden aufschauen und lachen. Zusammen, allein, gemeinsam – durchs Laub springen, die letzte Wärme genießen, den würzigen Duft einatmen. Im Abendlicht des Herbstes, geht der Weg weiter. Noch nicht jetzt. Morgen. Noch sitzen wir hier, im Schatten der Bäume, die Wärme hüllt uns ein. Lachend.

Bis die Blätter vertrocknet sind. Der erste Frost kommt. Die Welt glitzert. Und sie wird still. Dann werden wir da sitzen, Zusammen, allein, gemeinsam, jeder für sich. An den Frühling denken in dem wir begannen, vom Sommer träumen in dem wir wankten, aufstanden, uns hielten und vorwärts schoben. Leben, so viel und so tief und so beisammen. Füreinander da. Egal was kommt. Wenn die Erste aufsteht und geht, fallen die Tränen in den Schnee. Und der Atem des Winters lässt sie glitzern. “Wohin gehst du?” – “Weiter”, ist die Antwort. “Einfach weiter… Warten, bis ihr kommt!”. Und so bleibt der Rest, wartet, vermisst, denkt nach, sehnt sich, lebt! Aber nur um die Ecke, warten wir, finden wir uns wieder. Weiter gehen, beieinander sein. Immer. Zusammen, allein, gemeinsam, jeder für sich.

Eines Tages.
Morgen – aber noch nicht heute. Heute ist noch Sommer. Das Licht tanzt in den Bäumen. Wir lachen und reden und schweigen. Nicht mehr viel sagen müssen um zu verstehen. So leben wir. Zusammen, allein, gemeinsam, jeder für sich. Immer!
Die Sonne scheint mir in die Augen. Ich schließe sie, ich atme den Sommer ein. Duft und Wärme. Höre zu, fühle Glück. Sommer mit euch. Als ich sie öffne habt ihr die Gläser gehoben. Wir schauen uns an, lächeln, lieben! “Auf uns!” – “Auf uns – und den Sommer!” Der Weg geht weiter.

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2 Comments

  • Reply
    AVEC QUATRE
    2. September 2017 at 9:00

    Wundervolle Worte! Ich habe beim Lesen eine Gänsehaut bekommen.

  • Reply
    Heike
    2. September 2017 at 14:12

    Wahnsinn, wie Du Worte zu Bildern machst. Du solltest Bücher schreiben!

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