Mee(h)r im Herzen
Gedanken Thirty something

Wähle dich selbst!

“Wer sagt, dass ihn Politik nicht interessiert, der meint damit im Endeffekt, dass er sich nicht für sich selbst interessiert!” – ich weiß, ich habe euch das schon mal erzählt. Aber zum Einen ist das schon länger her und zum Zweiten verliert diese Aussage meines ehemaligen Politiklehrers niemals an Aussagekraft und vor allem nicht an Wahrheit.
Nächste Woche ist es wieder so weit. Eine weitere Wahl. Die letzten, die die Welt traf, überraschten mit Ausgängen, die so niemand vermutet hatte. Im Nachhall standen Kopfschütteln, Unverständnis und Verwunderung; Wut und Verzweiflung.
Nächste Woche sind wir dran. Das hier meine Lieben ist eine Bitte, ein Wunsch- am liebsten würde ich daraus einen Befehl machen, aber das wäre nicht demokratisch. GEHT WÄHLEN!
Für mich etwas Selbstverständliches. An dem Tag, an dem ich oben genannte Worte das erste Mal hörte, veränderte sich meine komplette Einstellung der Politik gegenüber. Ich hörte zu und lernte, ich fragte und verstand. Ich kann euch nicht zwingen. Mir bleibt nur,  zu versuchen,  euch zu überzeugen. Euch selbst zu wählen, euch selbst eben nicht egal zu sein, nur weil die Sitzungen des Bundestages nicht so aufregend sind wie House of Cards. Warum genau ich politisch bin, ist mehr ein Gefühl, mehr ein großes Ganzes, als Elemente die sich erklären lassen. Aber ich will es versuchen,  denn Gründe gibt es so viele.

Freiheit
Mein Leitmotiv für so ziemlich alles. Ich brauche Raum. Wände kann ich nicht gut. Ich muss atmen, rennen und denken. Und das groß und weit und wohin ich will. Wie unglaublich, in einem der wenigen Länder auf diesem Planeten gelandet zu sein, in dem ich wirklich frei sein kann. Versucht mal etwas. Steckt mental eine Stecknadel in den Globus, dort wo ihr lebt. Und dann in jedes weitere Land von dem ihr glaubt oder wisst, dass sich die Menschen dort ohne Angst vor Verfolgung, Gefahr für Leib und Leben und wahre Existenzängste (“Mein Hartz4 reicht nicht für ein iPhone!” zählt nicht) bewegen können. In dem sie grundsätzlich – und damit meine ich unabhängig von menschlicher Engstirnigkeit, sondern ganz unemotional einfach aufgrund geltenden Rechtes – glauben dürfen,  was sie wollen, lieben dürfen,  wen sie mögen, denken und sein können,  was ihnen gefällt. Noch besser, in dem sie nämlich das RECHT und die MÖGLICHKEIT haben, selbst am Großen Ganzen, an ihrem Land,  teil zu haben. Steckt dort auch Stecknadeln fest. Tretet einen Schritt zurück und schaut euch das Ergebnis an…
Da ist verdammt viel Fläche ohne Nadeln oder?

Respekt
Der Punkt, der sich dem vorherigen quasi nahtlos anschließt. Gern wird der Satz “das schulden wir ihm/ihr/ihnen” in dramatischen Szenen in millionenschweren Blockbustern benutzt. “Für Frodo!” sagte schließlich auch Aragorn, bevor er sich mit Tränen in den Augen inmitten einer hilflos unterlegenen Gruppe Elben und Menschen den Schrecken Mordors entgegen warf. Unser aller Herz zog sich zusammen in diesem Moment und manch einer reckte vielleicht innerlich kämpferisch die Faust in die Luft und dachte,  “Ja man!”. Plakativ? Japp – aber Leute. Die Erde außerhalb unserer geschützten, heimeligen Welt in der die meisten von uns nach einem stressigen Tag am Computer zu Heim, Herd und PayTV zurück kehren – diese Erde IST diese dramatische Szene. Sehr, sehr viele Menschen würden tausendmal pfeifend nach Mordor marschieren, hätten sie unsere, DIESE Möglichkeit einer freien Wahl. Eine Stimme die zählt. Die Möglichkeit eine Veränderung aktiv mitzugestalten, oder aber ein System zu erhalten, dass ihr Leben und ihre Wünsche schützt.

SEX
Uuuuuuuuh Clickbait. Aber wartet. Wählen ist smart, Smart is the new sexy – go bombshell!
Jammern ist leicht. “Ach, die sind doch eh alle gleich!”, “Meine Stimme ist doch eh nur eine unter vielen…!” und mein Liebling “Das verändert doch sowieso nichts!”. Damit fang ich gleich mal an, denn – Entschuldigung wie unendlich dumm ist diese Aussage bitte!? Wenn du doch MÖCHTEST, dass sich was ändert – was ich mal impliziere wenn du diese Aussage triffst – ist es doch GERADE deine Pflicht zu gehen. Denn nur eine Sache ändert weniger als wählen gehen… – NICHT wählen gehen. Jammern ist leicht… Aber auch die Waffe von Waschlappen.
Aufstehen, los gehen, anpacken, machen! Alles Attribute die schlau sind, die attraktiv sind, die wir an anderen mögen. Die erfolgreich machen und unter den besten Umständen anständig glücklich. Und hier noch der Maserati der sexy Argumente, wenn du auf son Kram stehst und zwar tiefer gelegt – Wählen dürfen ist Macht! Das ist vielleicht ein doofes Argument und vielleicht hab ich euch hier verloren – aber wenn auch nur einer denkt “Macht? – Cool, mach ich!”, dann bin ich glücklich.

Deine Stimme zählt – wirklich!!!
Hier kommt der langweilige Klugscheißerkram. Obacht an alle, die lieber nicht wählen gehen – aus Protest (pffffhahaha – unargumentativstes Argument ever), aus Prinzip, aus Faulheit oder welchen halbseidenen Gründe auch sonst. So funktioniert das:
Die Verteilung der Sitze wird berechnet auf Grundlage der Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen. Das bedeutet folgende Gleichung: Parteiergebnis = Stimmenzahl (für die Partei)/Bezugsbasis (also die abgegebenen Gesamtstimmen) x 100. Wählt ihr nicht, werden zwar nicht – wie weithin behauptet – die nicht genutzten Stimmen gerecht aufgeteilt (am besten noch mit Glücksrad “Und die nicht benutzte Stimme von Lieschen Müller geht aaaaaaan *ratterratterratter*…. Die CDU”) ABER: Jede nicht benutzte Stimme verschiebt die Bezugsbasis, auf der die Verteilung berechnet wird. Und so – ja, so profitieren unter Umständen eben auch Parteien von eurem Nicht-Wählen, deren rassistische, menschenverachtende und populistische Einstellung ihr lieber nicht im Bundestag sitzen sehen wollt. Und falls doch, an dieser Stelle bitte gehen und nicht wieder kommen, denn ganz sicher seid ihr bei mir dann falsch! Wenn ihr euch nicht entscheiden könnt oder wollt, dann hingehen und die Stimme ungültig machen.

Und wieder R.E.S.P.E.C.T.
Dieses Mal an die Ladies. Seitdem das Frauenwahlrecht 1919 in Deutschland eingeführt wurde, ist eine Menge passiert. Eine ganz große Menge. Aber es ist doch Eines geblieben. Der Wunsch nach Gleichberechtigung (jedenfalls bei den meisten von uns). Schaut man sich jedoch Statistiken über die letzten Jahrzehnte an fällt auf, dass Frauen dieses hart erkämpfte Recht tatsächlich noch immer weniger nutzen als Männer. Nicht wesentlich, aber dennoch. Da Feminismus seit Neuestem ja das “IT-Piece” der Saison, so wahnsinnig angesagt und durch Titten-Shirts, Mensturationskunst und Dior auch noch instagramable geworden ist schlage ich euch was vor: Macht eure verdammten Kreuze! Meinetwegen nackt, wenn das mehr Follower bringt! “We should all be Feminists!”? Gebt keine hunderte Euros für ein Shirt aus – geht hin und seid es einfach! #forrealthistime und respektiert damit die Damen, die über Jahrhunderte für uns gekämpft haben und es leider in sehr vielen Winkeln der Welt noch immer tun müssen!

Selbstachtung/Eigenverantwortung
Schlägt in die selbe Kerbe wie die Sache mit dem Respekt. Wenn eines Tages entweder die Welt zusammenbricht, mein Kind mich fragt, was ich zu allem getan habe oder ich mal wieder vor mich hin meckernd über “die da oben” in die Welt schaue, möchte ich nicht das die Frage darauf, was genau ich denn eigentlich versucht habe zu verändern, “Nichts” lautet. Das zählt genauso für Nachhaltigkeit, wie auch für mein politisches Verständnis. Klar, wirklich aktiv werden, bring noch immer mehr, als einfach “nur” wählen. Aber es ist ja so, dass ich doch sehr oft in Gesprächen höre, wie unzufrieden alle denn generell mit der Politik sind. Dann aber nicht mal Kreuze gegen oder für das machen, was ich verändert haben möchte? Da würde ich persönlich mich reichlich unwohl fühlen, wenn ich das nächste Mal wettere. Zu 100% werden meine Interessen von keiner Partei und von keinem Kandidaten vertreten werden. Aber auch 70% sind besser als Null.

Recent Bitter Memories
24. Juni 2016 – “Sie haben es wirklich getan…!” waren Tims Worte früh am Morgen. Noch verschlafen verstand ich die Tragweite dessen was er sagte nicht. Dann ging ein Ruck durch meinen müden Kopf, wie vor ein paar Stunden durch mein geliebtes Europa und ich war schlagartig wach. Die Gedanken flogen wild im Kopf umher und rissen dabei Löcher in mein Weltbild. DAS hätte ich nicht für möglich gehalten. Großbritannien steigt aus. Ich kenne Europa nur als EU. Ich weiß nicht mehr richtig, wie das war mit Grenzen, mit Kontrollen… Ich kenne nur das weiter gehen, frei, bis zum Meer – in alle Richtungen. Und dann ausgerechnet die Briten. Mein England, mit meinem London, der Stadt die ich mehr liebe als alle anderen auf dieser großen weiten Welt. Meinen Kaffee trinke ich an diesem Tag mit Milch – und ein paar Tränen.

8. November 2016 – Ich stehe vor dem Bildschirm im Café der Firma. Es laufen die Nachrichten. Der Kaffee in meiner Hand wird kalt, aber ist mir egal. Meine Augen kleben auf dem Monitor, ich kann sie nicht abwenden. Tausend Gedanken, getrennt nicht durch Kommas, sondern durch ein einziges, immer wiederkehrendes Wort „NEIN“. Lauter, immer lauter. Während heiße Wut mir in den Bauch steigt, beginne ich zu frösteln. Das KANN nicht passiert sein!
„Ach ja, die Witzfigur!“, „Der schafft es sowieso nie…!“. „Warum kann Trump schwimmen? – Weil er hohl ist. Wieso geht er trotzdem unter? – Weil er nicht ganz dicht ist.“
Witze, Kopfschütteln, Abwinken, Lacher…! An diesem Tag lacht niemand mehr!
Und ich stehe einmal mehr da und wundere mich über die Menschen. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,9 %… Ob die restlichen 41,1 gerade zufrieden in den Spiegel schauen?

und schließlich

Zukunft
In beiden Fällen da oben wurde die Entscheidung überwiegend von den Menschen getroffen, die sie – rein statistisch – am wenigsten mit tragen müssen. Einer Bevölkerungsgruppe, der das Gestern gehörte, nicht das Morgen.
Und die, die für die Zukunft gewählt haben, waren schlicht zu wenige. Die Altersgruppen von 21 bis 40, sind die mit der geringsten Wahlbeteiligung in Deutschland. Die Altersgruppe, die am längsten in der Zukunft lebt, sie aber anscheinend nicht mitzugestalten gedenkt. Nicht für sich, nicht für ihre Kinder. Eine Mutter oder ein Vater, die nicht wählen gehen, kann ich nicht verstehen. Wir schaffen hier das, was unsere Kinder von uns übernehmen werden. Wir tragen Verantwortung. Wir tragen Hoffnung. Und wenn wir zu erschöpft sind, zu desillusioniert, zu hoffnungslos, zu wütend, zu was-auch-immer um sie für uns zu tragen, sollten wir zumindest für die Menschen, die wir am meisten lieben den Hintern hoch bekommen. Für unsere Kinder!

Und mit diesem pathetischen, aber wahren Abschluss schicke ich euch zwei Küsse
XX – geht wählen! Am 24. 09.2017!

 

 

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2 Comments

  • Reply
    Jana
    17. September 2017 at 17:25

    Meine Gedanken in Worte gefasst und dazu noch weitere Denkanstöße. Vielen Dank dafür!!!

  • Reply
    DesDödelsDad
    22. September 2017 at 20:59

    Amen. Vielen Dank dafür!

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