Mee(h)r im Herzen
Abenteuer

Date my city #1 Frankfurt: The sweet life – ein Besuch im IIMORI

Ein dunkler Novembertag. Draußen ist es windig und kalt. Feiner Regen benetzt mein Gesicht. Ich ziehe die Schultern in den Kragen meines Mantels zurück und haste durch die Straßen. Die Menschen, die mir entgegen kommen kann ich nicht sehen und sie mich auch nicht. Es ist, als wäre ich allein in den Straßen der Stadt, gemeinsam mit vielen Anderen. Kälte und Regen, schneidender Wind und fahles, graues Licht verhindern Augenkontakt und ersticken jedes Lächeln. Ich laufe weiter, mein Fuß landet mit einem satten “platsch” in einer Pfütze. Kaltes Wasser dringt in meinen Schuh und lässt mich frösteln. Einen leisen Fluch auf den Lippen, die Nackenmuskeln verspannt schüttele ich sinnlos den Fuß, was meinen Socken natürlich auch nicht trocknet. Der Tag scheint schon verloren, als plötzlich ein warmer Schimmer am äußersten Winkel meines Blickfeldes erscheint. Ich wende den Kopf und begegne einem hell erleuchteten Schaufenster. Dahinter, kleine Kunstwerke aus Zucker und Sahne. Süße Schätze aus bunten Krümeln und feiner Creme. Wie eine andere Welt schimmert die Wärme durch das Glas an dem die Regentropfen aus meiner kalten Seite der Wirklichkeit langsam herunter laufen. Ich zögere nur kurz und eine Sekunde später ertönt über mir das helle Klingeln einer silbernen Glocke. Augenblicklich werde ich eingehüllt in eine Wolke aus zuckriger Wärme und den Duft von Kaffee und Jasmintee.

Den nassen Mantel ausziehend, verteile ich kalte Tropfen auf den bunten Fliesen. Es ist kaum noch Platz, nur in einer kleinen Ecke neben einem antiken Cafétischchen ist noch ein plüschiger, alter Sessel frei. Ich setze mich und lehne meinen Kopf an die seidenen Tapeten. Die kleine Caféstube ist voll mit Lachen, Stimmengewirr und glückseligem Seufzen. Ich bestelle einen Pfefferminztee und eine kleine Zitronentarte mit geröstetem Baiser, die eigentlich zu schade aussieht um gegessen zu werden. Als ich die süße Creme von meinem kleinen Finger lecke und mich in das warme Polster kuschele durchströmt mich ein Gefühl von zu Hause und gemütlichen Regennachmittagen mit Wolldecke und Kerzen. Die Wärme meiner Gedanken trocknet die letzten Tropfen auf meiner Haut und ich weiß – hierhin werde ich wieder kommen.
So begann meine Liebesgeschichte mit dem für mich schönsten Café in Frankfurt. Das IIMORI hat mir bereits am ersten Tag mein Zuckerherz gestohlen.

Sieben Jahre später, darf ich die Frau hinter diesem kleinen Wunderwerk kennen lernen, damit sie mir eines ihrer Geheimnisse verrät. Die Zubereitung meines liebsten Gebäcks – den perfekten Macarons. Wir werden von Azko Iimori in einer alten Frankfurter Stadtwohnung über dem Café empfangen. Der Flur und die angrenzenden kleinen Zimmer wirken, als ob wir bei ihr zu Hause eingeladen sind. Erst im ehemaligen Wohnzimmer merken wir den Unterschied. Hier steht auf einer kleinen Empore eine Küche mit roten Lackfronten, zwei Öfen und einer großen Arbeitsfläche, auf der sich blitzende Schüsseln und Töpfe stapeln. Die Gründerin des IIMORI wuchs in Tokio auf und begann schon im Alter von sechs Jahren, für die Gäste ihrer Eltern zu kochen und zu backen. Mit 25 zog sie nach Frankfurt, gründete drei Jahre später ihre eigene Firma und eröffnete 1993 ihr erstes Restaurant. Nur mit Leidenschaft für das Backen und Kochen und ohne festen Plan, wurden ihr Café und ihr Restaurant ein Erfolg, dessen Geschichte sich bis heute fortsetzt.

Das IIMORI ist ein wundervolles kleines Juwel, geschmückt mit edlen Tapeten, zusammengewürfelten Möbeln, allerlei versteckten Details und den süßesten Versuchungen der ganzen Mainmetropole. Asko selbst lerne ich als eine ruhige – und damit meine ich in sich ruhende – Dame, mit einem zurückhaltenden aber herzlichen Lächeln und einer warmen Ausstrahlung kennen. Ihre Handgriffe sind gezielt und sparsam und erzählen die Geschichte der Zutaten, ihr Zusammenspiel und wie sie am Ende zu dem werden, was beim ersten Bissen glücklich macht. Ihre Art nimmt mich gefangen und als sie beim Zubereiten der perfekten, locker-fluffigen Buttercreme sagt “Schaut mal, wie schön das ist!”, möchte ich sie knuddeln. Sie erzählt von einer Biscuitrolle mit Kaffeebuttercreme, die unten in der Patisserie darauf wartet aufgefuttert zu werden und beendet dieses Gedicht mit den Worten “Das schmeckt krass gut!”. Die Leidenschaft für das, was sie tut, merkt man ihr bei jeder Bewegung an.  Unter ihrem wachsamen Auge, setzte ich Reihe um Reihe kleiner runder Klekse aus rosa Macaronteig auf das Backpapier und versuche den richtigen Twist des Handgelenkes zu imitieren, den unsere Lehrerin so souverän beherrscht.

Das Kunststück gelingt und als im Ofen die fertigen Kekse inklusive der, bei Macarons obligatorischen “Füßchen”, ihre perfekte Form finden, möchte ich am liebsten aufgeregt von einem Fuß auf den anderen trippeln, wie ein kleines Kind an Weihnachten. Am Ende des Backkurses, ist mein Bauch voll mit Buttercreme, mein Herz überzogen mit einer Zuckerschicht aus Zufriedenheit und in meinen glänzenden Augen spiegeln sich die vielen kleinen, perfekten, rosa Macarons vor mir auf dem Tresen. Ein köstliches Essen im Restaurant danach und ich verlasse das IIMORI mit einer Tüte voll süßem Glück und einem Lächeln im Gesicht. Die Mädels um mich herum schwätzen und lachen über den schönen Tag, aber ich drehe mich noch einmal um. In der leuchtenden Dunkelheit der Frankfurter Nacht verlöschen hinter den Fenstern des Cafés die letzten Lichter, aus der Vergangenheit klingt das Geräusch von Regentropfen und einem Silberglöckchen in meinen Ohren und ich weiß – hierhin werde immer wieder kommen.

*** Das IIMORI findet ihr in der Braubachstraße 24, vom Main aus kommend direkt hinter dem Römer (Platz, nicht Dom), Kurse sind online auf www.iimori.de buchbar und beinhalten meist auch ein anschließendes Essen mit japanischen Spezialitäten inklusive der leckersten Frühlingsrollen der Welt***

5 Comments

  • Reply
    Claudia
    26. September 2017 at 14:36

    Sehr toller Artikel!! Ich bin ja auch so verliebt in diese hübschen Cafés, die man nur versteckt und durch Zufall findet. Ich erinnere mich gerade an einen Herbsturlaub mit meiner Mutti auf Hiddensee: eisekalt, windig, verregnet, und wir Beiden den ganzen Tag unterwegs an der frischen Luft, eingepackt wir zwei Eskimos aber happy. Und dann war dort an Ende des Deiches dieses kleine, menschenleere Café, in dem nur wir einkehrten. Es war wie in einer anderen Welt. Wir konnten uns die CDs selbst einlegen und tranken die beste Russische Schokolade ever! Wer weiß, ob es dieses mysteriöse Plätzchen heute, 20 Jahre später, noch gibt…
    Viele liebe Grüße! Claudia

    • Reply
      Verena Selck
      27. September 2017 at 21:57

      Liebe Claudia,

      ach das klingt auch so wunderschön. Ich mag solche märchenhaft angehauchten Geschichten! 🙂 Vielen Dank für diese Geschichte und das du dir Zeit genommen hast, sie mir zu erzählen.
      Ich wünsche dir einen schönen Abend und noch so viele, solcher einzigartigen Momente!

      Liebste Grüße
      Verena

  • Reply
    Mona
    27. September 2017 at 14:42

    Die Adresse muss ich mir unbedingt notieren, ich liebe besondere Cafés unglaublich und Frankfurt ist von mir aus nicht um die Ecke aber auch keine Weltreise 🙂
    Meine absoluten Favoriten sind bisher das Café Zero in Karlsruhe, das eine unglaubliche Architektur hat http://www.ka-city.de/dinner-lounge/von-a-z/cafe-zero/ und das Jugendstil Café in Prag wo man fast das Gefühl hat eine Zeitreise zu machen und sich wünscht man hätte noch die passende Kleidung an um stilvollen Nachmittagskaffee zu halten http://www.kavarnaod.cz/fotogalerie-7/

    Achja, ich habe deinen Blog gestern erst über das Interview bei Luzia Pimpinella entdeckt und mich Hals über Kopf in deinen Schreibstil verliebt ♥

    • Reply
      Verena Selck
      27. September 2017 at 22:00

      Liebe Mona,

      danke für die tollen Tipps. Beide sehen toll aus. Mein Mann war schon öfter in Prag, ich leider noch gar nicht. Jetzt habe ich einen weiteren Grund einmal hin zu fahren. Ich liebe Jugendstil – aber als Geschichtsfan kann ich das über fast jede Epoche sagen 😉

      Karlsruhe ist ja bei mir auch nicht so weit entfernt. Vielleicht denke ich das nächste Mal dran, wenn ich in die Richtung fahre!

      Ich danke dir sehr für das liebe Kompliment und freue mich, dass du über Nic zu mir gefunden hast. Komm gern öfter wieder 😉
      Hab einen wundervollen Abend!

      Liebste Grüße
      Verena

      • Reply
        Mona
        28. September 2017 at 8:23

        Gerne 😀 ich war bisher auch nur einmal in Prag, letztes Jahr mit einer Freundin ein Wochenende bevor die Mucha Ausstellung endgültig abgebaut wurde um auf Weltreise zu gehen. Die Stadt ist unglaublich schön und ich denke dauernd daran, wann ichs wieder hin schaffe.

        Und ich habe dich sofort in meine Blog Abos gepackt, bleibe also definitiv auf dem Laufenden ^_^

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