Mee(h)r im Herzen
Thirty something

Die Größe meines Glücks, oder – Lebensgefühl Size 0?

Es war ja klar, dass auch von mir irgendwann ein solcher Post kommt. Aber ich will mal versuchen, an das Thema etwas anders ran zu gehen. Denn es geht mir gar nicht so sehr um die altbekannte gehasst-geliebt-gehypte Bodypositivity (ein Unwort übrigens zum schreiben). Eigentlich eher um das Gefühl dahinter. Ich lasse mich auf SocialMedia von so vielen verschiedenen Menschen inspirieren. Von Frauen und Männern mit so vielen unterschiedlichen Facetten. Und natürlich auch von denen, die die Stars hier sind. Groß, dünn, jung, stylisch, erfolgreich.

Ich war immer recht zufrieden mit mir im Großen und Ganzen. Ich bin ausreichend hübsch, wie ich finde. Ich habe ein gesundes Gewicht in beide Richtungen, die Augen sind gerade, die Nase auch. Meine Haare mag ich, Handgelenke und Hände sehr und auch noch die eine oder andere Kleinigkeit schätze ich. Ich will nicht so tun, als wären mir Unsicherheit und Unzufriedenheit unbekannt. Aber ich bewegte mich immer zwischen „Hach ja, vier Kilo weniger wären toll, n bisschen mehr trainieren…“ an einem Tag und „So schlimm ist es ja auch nicht, her mit Ben&Jerry!“ schon am nächsten. Alles in allem also – läuft. Vor einiger Zeit dann, hatte ich einen kleinen Rappel und habe gedacht „Jetzt will ichs aber mal wissen! Was ist das absolute Optimum, was ich aus meinem Körper holen kann?“ (damit meine ich nicht ausgehungert, sondern schlank und trainiert). Ich nahm mir vor wieder mehr Sport zu machen, nach 18.00 Uhr kein… Bla, bla, bla… Ihr kennt das alle. Ich sah mir Klamotten an und dachte „Wenn ich erstmal…!“. Ich war also drauf und dran, das wirklich durchzuziehen und hatte einen Plan. So! Jetzt sehe ich noch immer so aus, wie vor etwa 6 Monaten, als ich diese Gedanken hegte. Und ich verrate euch auch warum. Weil ich lebe. Ich habe ein kleines Kind, ich habe einen Job, ich habe Freunde #manmagesnichtglauben, ich lese gern, ich mach es mir gern gemütlich, ich schaue gern Serien und ich bin gern auf SocialMedia unterwegs. Nicht zu vergessen die monatlichen Zeitblocker für diverse Zeitschriften. Ich habe den Blog begonnen, ich mache gern Ausflüge in die Stadt oder in die Natur, ich gehe gern einkaufen und telefoniere mit der Familie oder Menschen, die ich aufgrund der Entfernung nicht so oft sehe und das dann sehr lange.

Ich lege Wert auf ein gepflegtes Äußeres, aber ich lege unendlich viel mehr Wert auf eine gepflegte Seele.

Dazu gehört ein gutes Essen mit Freunden, dazu gehören ein oder zwei Gläser Wein am Abend. Knabberkram und Eiscreme zum Film. Frisches Brot mit salziger Butter. Dazu gehört backen – am besten jedes Wochenende, und die Schüssel danach ausschlecken. Dazu gehört gesunde Ernährung. Aber nicht, weil ich muss, sondern weil ich sie mag. Und wenn wir unterwegs sind, darf es eben auch ein Eis sein, Pommes rot-weiß oder der zweite Caramel Macciato.

Ich bin ja bekanntlich großer Freiheitsfanatiker. Dazu gehört auch, mir selbst so wenig Regeln und Vorschriften aufzuerlegen, wie es sozial verträglich und gesundheitlich nicht bedenklich ist. Ich hasse es, mir Dinge zu verbieten die ich mag, aus Gründen die ich mir erklären aber nicht verstehen kann. Vegetarisch leben fällt mir da an manchen Tagen und zu bestimmten Anlässen noch immer schwer. Aber da kommt wieder die Seele mit ins Spiel. Ich fühle mich einfach richtiger, besser, wenn ich kein Fleisch esse und darum ist das ein Verbot, das ich gewillt bin zu akzeptieren.

Aber stressen? Für den Waschbrettbauch? Sehnsüchtig auf den Schokokeks schielen und den trockenen Cracker nehmen? Oder ihn mir doch gönnen und danach zwei Stunden im Gym schwitzen, in denen ich auch ein gutes Buch lesen oder mit meinem Sohn spielen könnte? No way – das kommt für mich überhaupt nicht in Frage! Versteht mich an dieser Stelle bitte richtig FÜR MICH!

Ich bin übrigens nicht zu faul. Ich mag Sport sehr. Ich liebe mein Longboard, bin immer zu Fuß unterwegs und ich jogge unheimlich gern, wenn ich die Zeit habe. Es gab Zeiten, da habe ich das zwei Stunden täglich an sechs Tagen in der Woche getan. Ich liebe Bewegung und wenn ich sie haben kann, nehme ich sie. Aber ich mache kein Dogma draus. Ich bin nicht mehr 22, Studentin und kann über meine Zeit unendlich verfügen. Denn am Ende des Tages hat auch meiner nur 24 Stunden. Und die gedenke ich mit so vielen Dingen die ich liebe auszufüllen wie nur möglich. Das kann Alles sein. Wenn ich samstagmorgens aufstehe und total Bock auf Laufen habe, dann tue ich das. Wenn ich abends gern einen Obstteller essen möchte, dann mache ich das. Dasselbe gilt aber ebenso für Pizza, oder CookieDough Eiscreme beim Extremcouching.

Ich kann versuchen, meinen Körper an das Optimum zu bringen. Ich habe es mehr als einmal begonnen. Aber ich „scheitere“ jedes Mal daran, dass ich irgendwann merke – „An diesem Punkt verliert ein anderer Teil meines Lebens das, was für mich optimal ist!“ Das möchte ich nicht und das muss ich auch nicht.

Meine Freiheit hört da auf, wo meine Perfektion beginnt? No pain no gain? Schmerzen kann es gern jemand anders. Ich nehme das, was sich gut anfühlt.

Für Andere mag das funktionieren, oder sie haben – beneidenswerterweise – ein besseres Zeitmanagement als ich. Beides wunderbar, so lang sie damit glücklich sind. Wenn ich aber am Ende meines Lebens ankomme und die meiste Zeit unglücklich oder verbissen war, aber dafür immer Größe 34 trug (wie immer ohne Wertung zu verstehen), habe ich ja auch nichts gewonnen. Das ist also für mich ein Konzept, das nicht aufgeht.

Es muss immer alles passen (und damit meine ich nicht nur die Jeans). Darum werde ich Sport machen, wenn ich Lust und Zeit habe, aber ich werde dafür niemals ein Playdate mit meinem Sohn, ein Abendessen mit meinem Mann, oder einen Mädelsabend mit meinen Besten verschieben. An einem stressigen Tag, machen mich Pizza und Wein oder Salat und stilles Wasser satt. Aber ich weiß, nur eines von beiden sättigt meine Seele.

Ich werde es also vielleicht niemals schaffen, das allgemeinhin anerkannte Optimum aus meinem Körper heraus zu holen. Aber so lange ich ein für mich perfektes, zufriedenes Leben führe – und zwar mit Obst oder Eiscreme, mit Gemüse oder Spaghetti, mit Sport oder ohne – so lang ist mir ein Hintern Größe 40 tausend Mal lieber, als ein Lebensglück Size 0.

 

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4 Comments

  • Reply
    Eva
    13. Oktober 2017 at 22:36

    Schön gesagt. 🙂

    • Reply
      Verena Selck
      20. Oktober 2017 at 16:20

      Vielen lieben Dank Eva 🙂 Das freut mich!

  • Reply
    Claudia
    14. Oktober 2017 at 3:19

    Sehr schöner Blogpost mit weisen Worten! Ich bin in der Hinsicht ganz Deiner Ansicht: Auch ich mag gutes Essen ebenso wie Bewegung an der frischen Luft, und ein gutes, gesundes Körpergefühl gehört für mich schon zum Leben. Aber ich mache kein Dogma draus, da ich meine 24 Stunden mit soooo vielen Dingen füllen muss und möchte. Nein, ich bin keine kinderlose Single mehr, die früher in den Zwanzigern zwei Mal die Woche 60 Bahnen geschwommen, gejoggt und Rad gefahren ist. Dafür fehlt schlichtweg die Zeit und vor alle haben sich die Prioritäten und Interessen geändert. Ich muss heute nicht mehr alles haben wollen und möchte mich nicht dadurch stressen, figurmässig top aussehen zu wollen. Lieber mal Seelenfutter nach einem langen Tag mit drei Kids als eine gestresste Mutti.
    Viele liebe Grüße Dir!! Und übrigens finde ich, dass Du eine super Ausstrahlung hast!!!!

    • Reply
      Verena Selck
      20. Oktober 2017 at 16:19

      Liebe Claudia,

      ich danke dir für deine lieben Worte und entschuldige mich für die späte Antwort. Die Perspektiven verschieben sich doch gewaltig. Ich denke wir sollten einfach darauf hören, was unser Körper und unser Kopf zu uns sagt. Für Unzufriedenheit, ist das Leben doch eindeutig zu kurz. Ich wünsche dir einen schönen Tag! 🙂

      Liebste Grüße
      Verena

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