Mee(h)r im Herzen
Gedanken

Fünf Fragen am Fünften – Mai

Juhuuuuu – da isser schon, der Wonnemonat. Was liebe ich den Mai. Da ist der Sommer noch so frisch und angenehm. Im Mai bin ich Mama geworden, im Mai passieren einfach tolle Dinge. Er ist voller Sonne und Weißwein am Abend. Voll frösteln in der kühlen Abendluft, aus der man aber partout nicht verschwinden will. Ich liebe, liebe, liebe den Mai und meinetwegen könnte es bis zum Herbst Mai bleiben.

Die Mai Edition von Nics Fünf Fragen am Fünften fiel mir vielleicht auch deshalb so leicht.

Hier kommen also meine Antworten:

 

1)      Würdest du einen Teil deiner Intelligenz gegen ein sensationelles Aussehen eintauschen?

Auf gar keinen Fall. Man sagt zwar „Life´s more painless for the brainless!” – aber ich glaube, dass Glück und Zufriedenheit auch zu einem sehr, sehr großen Teil von Intelligenz abhängen. Zudem mag ich wie ich aussehe. Das ist keine platte Floskel die ich schreibe, weil Selflove gerade so angesagt ist und das die Antwort ist, von der man erwarten könnte, dass die meisten sie jetzt hören wollen. Ich mochte mich schon immer. Mal ein paar schlechte Tage, ja, die kenne ich auch. Aber ich finde mich hübsch. Das darf ich auch so sagen. Die innere Haltung ist übrigens, unter Anderem das, was sensationelles Aussehen ausmacht. Das ist auch ein Klischee-Statement, ich weiß. Aber das macht es nicht weniger wahr. Ich kenne bildhübsche Frauen, an denen scheinbar alles makellos und perfekt ist und die über die Ausstrahlung einer Essiggurke verfügen. Damit möchte ich jetzt nicht behaupten, dass sie schlechte, negative oder dumme Menschen sind. Es erklärt nur, dass Aussehen sehr selten etwas mit objektiver, gesellschaftlich konstruierter Schönheit zu tun hat.

Also nein. Ich würde mich sogar für die andere Variante entscheiden.

 

2)      Wann hast du zuletzt einen Sonnenaufgang betrachtet?

 Im September 2016, auf der Hochzeit meiner besten Freundin außerhalb von Athen. Eine großartige, griechische Hochzeit. Die Trauung war am Nachmittag, das Licht stand golden über einem Hang mit Weinreben. Eine winzige Steinkapelle als Kulisse. Gefeiert wurde direkt in einer nur überdachten Location neben der Kapelle. Von der Decke hingen weiße Stoffbahnen, in denen feine Lichterketten leuchteten. Auf den runden Tischen zarte Deko, Olivenzweige und Kerzen. Das Essen war fantastisch, die Stimmung großartig und warm. Nachdem wir bis in den frühen Morgen getanzt hatten beschlossen wir letzten Acht inklusive Brautpaar, noch an den nahegelegenen Strand zu fahren, um zum Sonnenaufgang im Meer zu baden. Leider waren wir etwas früh und die Sonne ließ noch auf sich warten. Wir lagen auf Handtüchern und Decken im kühlen Sand und während wir warteten, schliefen wir alle ein. Eine kurze Zeit später weckte uns das Gläserklappern aus der Strandbar, die um die Zeit öffnete. Wir fröstelten und stellten fest, dass wir für derartigen Kram doch irgendwie zu alt geworden sind 😊Also steckten wir schnell die Füße in die Brandung, damit man uns nichts nachsagen konnte und stiegen wieder in die Autos, während sich der Horizon rosa färbte. Ein paar Meter weiter, sahen wir dann den traumhaft schönen Sonnenaufgang im Rückspiegel und hielten an einem kleinen Hafen noch mal an um ihn auf der Motorhaube sitzend zu beobachten. Das Licht war so magisch, die Welt so leise bis auf eine paar Möwen am Himmel, der Kopf so leicht und das Herz so voll. Ein perfekter Moment.

 

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3)      Wenn du zurückdenkst, welcher deiner Geburtstage hat dir am besten gefallen?

Oh, da gibt es einige. Nicht, dass ich besonders wild feierte aber es gibt einige, die richtig toll waren. Ich erzähle euch mal von dem außergewöhnlichsten. Achtung – laaaaaaange Antwort.

Es war mein 20er Geburtstag, den ich mit meiner Freundin in Kiel auf der Theaternacht verbrachte. Ich war gerade frisch getrennt von meiner ersten großen Liebe und meine Freundin hatte Karten für die Kieler Theaternacht, die durch Zufall mit meinem Geburtstag zusammen fiel. Die Stadt schimmerte an allen Ecken und aus allen Winkeln. Bühnenlichter, lachende, schwatzende Menschen. Offene Türen aus denen das Licht auf die Straßen fiel. Inmitten des bunten Treibens eine alte Stadtvilla. Eine lange Kiesauffahrt führte zum Haus um das herum die Stille ungewöhnlich laut toste. Hier wurde weniger leichte Kost auf die Bretter gebracht als im Rest der Stadt. Edgar Allen Poes „Die schwarze Katze“ stand auf dem Programm. Durch eine, aus dem Gebüsch springende, vermummte Gestalt so richtig in Gruselstimmung gebracht, betraten wir den schummrig beleuchteten Raum. Im Gegenlicht der schwachen Scheinwerfer stand eine kleine Bühne. Um uns herum Gemurmel und das Rascheln der dünnen Blätter, die man uns am Eingang in die Hand drückte. Darauf kurz niedergeschrieben worum es ging und wer uns da gleich den schaurigen Monolog halten würde. Das Licht verlosch, die Stimmen erstarben. Ein einziger Scheinwerfer traf den blonden Haarschopf des Mannes, der allein auf der Bühne stand. Ein scharf geschnittenes Profil, die Nase etwas schief – vermutlich mal gebrochen – stahlblaue Augen in einem ausdrucksvollen Gesicht. So begann er. Leise, zögerlich und mit nachtblauer Stimme erweckte er die Geschichte zum Leben, steigerte sich mal in Hysterie und Verzweiflung, hin zur mörderischen Rachsucht, die Augen irre funkelnd, bis er schließlich zum Mörder wird und das teuflische Vieh ihn an den Galgen liefert. Gebannt starrte ich auf die Bühne. Jede Bewegung prägte sich ein, die Worte liefen mir einem kalten Wasserfall gleich den Rücken hinunter. Applaus und ich mittendrin, noch immer gefangen und die Augen auf der Bühne, bis der Vorhang endgültig fiel.

Auf der After Show Party zwischen Musik und Kellnern mit Tabletts voller glitzernder Sektgläser, tanzte ich aus meinem Geburtstag hinaus, als mir im Dunst der Nebelmaschine ein Profil begegnete, das mir bekannt vorkam. Da stand er, mitten in der Menge, sah zu mir herüber und lächelte. Von dem Psychopathen, der er auf der Bühne gewesen war, war zum Glück nichts mehr zu merken 😊 Ein paar Worte, ein paar Gläser und dann sein Entschluss, uns den Rest der Nacht zu begleiten. Wir wanderten durch die Straßen, erzählten uns vom Leben und schließlich auf den abgewetzten Sofas der Schaubude sitzend, die Menschen auf der Tanzfläche beobachtend, spürte ich einen Kuss. Ganz leicht auf der Schulter. Ob dieser – geben wirs zu – doch recht frechen Annäherung, drehte ich mich halb erbost, halb belustigt um und begegnete einem blitzenden Augenpaar, das sich seiner Frechheit sehr wohl bewusst war, sie aber umso charmanter zu überspielen verstand. Ich musste lachen und tatsächlich war diese kleine, unverschämte Geste die einzige in dieser Nacht (nur für den Fall, dass ihr ihm grundsätzlich unlautere Absichten unterstellen wolltet). Im Taxi auf dem Heimweg schlief er an mich gelehnt ein, während die Stadt draußen ihr samtig-dunkles Kleid gegen eines aus Morgenröte und Seeluft tauschte.

Noch in dem Moment als das Taxi unten abfuhr, bekam ich die erste SMS. Diese spontane Begegnung und die Magie dieser Nacht, sind ein kleines Juwel in meiner Vergangenheit, weil sie so völlig unerwartet war. Ich glaube, das sind die besten Geschichten. Nach ein paar Monaten losem Kontakt verschwand er in der Vergangenheit, wurde nicht zu einer Zukunft, aber zu einer wundervollen Erinnerung.

Dann gibt es da noch meinen 26. Geburtstag, der mein Leben tatsächlich veränderte. Aber von dem erzählte ich euch ja bereits hier 😊

 

 

4)      Was entscheidet beim ersten Kennenlernen, ob dir jemand sympathisch ist oder nicht?

 Ich mag die Art von Kennen lernen die sich anfühlt, als wären sie es gar nicht. Die Art, bei dem mich jemand begrüßt, als wäre ich eine Bekannte oder Freundin. Nichts bricht Eis schneller als so zu tun, als gäbe es keines. Damit macht man bei mir nie etwas falsch. Verwechselt werden darf das aber nicht mit Aufdringlichkeit oder unangebrachter Offenheit.  Vertraut mir jemand gleich in den ersten zehn Minuten des ersten Treffens an, dass er ein Intimpiercing hat, oder es mit dem Partner im Bett gerade nicht so läuft, finde ich das schon merkwürdig. Nicht weil ich prüde bin. Ich habe da eher Bedenken im Hinblick auf Loyalität und Freundschaftstiefe, wenn solch persönliche Details scheinbar jedem dahergelaufenen Menschen anvertraut werden.

Die Tonlage spielt auch eine Rolle. Mit warmen klaren Stimmen und ruhigem Sprechen, hat man mich ja auch schon beim Hallo 😊 Aber das ist ja nicht jedem gegeben. Ich mag Zugewandheit, Interesse und einen kleinen Sprung in der Schüssel. Ich liebe Menschen, die sich nicht so ernst nehmen und keine Angst haben, sie selbst zu sein. Friederike zum Beispiel, begrüßte uns letztes Jahr in Köln mit einem sehr charmant bescheuerten Willkommenstänzchen, einer dicken Umarmung und gewaltig einem an der Marmel. Dafür liebe ich sie bis heute heiß und innig und das wird dann hoffentlich in aller Bälde vertieft nicht wahr Herzchen? #homeiswherethegrowingbellyisonly30minutesaway 😊

 

5)      Was machst du an einem Tag, der einfach nur fürn Arsch ist? Also, um dich aufzumuntern?

 Ich gehe raus. Allein. Früher stundenlang, heute so lang, wie die Betreuungssituation des Knirpses es zulässt. 😊 Es gibt Nichts, was mich zufriedener macht und mehr runter bringt als die Natur und nur wenig, was ein zweistündiger Spaziergang nicht kurieren kann. Dabei nehme ich auch gern alles, was der Wettergott so zu bieten hat. Frühlingsregen, Sommerstürme, goldene oder kühl windige Herbsttage, Schneegestöber – ich geh immer raus, wenn es mir schlecht geht. Gewitter wird da auch gern genommen. Naturgewalten rücken das Weltbild schneller wieder zurecht und relativieren kleine Ärgernisse, als ich mit den Fingern schnippsen kann. Wenn draußen nicht verfügbar ist, Kaffee, Kerzen, Gilmore Girls #simpleasthat.

Aber jetzt im Mai kann ich ja zum Glück fast immer auf Spaziergänge zurück greifen. Das werde ich jetzt auch machen. Nicht, weil der Tag kacke war, sondern, weil es so unglaublich duftet und zartgrünbunt leuchtet.

Habt einen feinen Mai – dafür ist er da! 😊

***

Die Fotos sind bei der Hochzeit in Griechenland entstanden, von der ich vorhin erzählte. Alle mit dem Handy, was die teilsweise mittelgute Qualität erklärt. Diese vier Tage dort – meine ersten ganz allein seit Bens Geburt übrigens – waren dafür so unglaublich schön und perfekt, dass wir eigentlich Meryls Streep hätten verpflichten müssen… 😊

 

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2 Comments

  • Reply
    *thea
    5. Mai 2018 at 12:42

    Wie wunderbar du diesen magischen Sonnenaufgang und deinen Geburtstag beschrieben hast – und die schönen Bilder dazu, wirklich schön hierher geklickt zu haben!

  • Reply
    Laura
    5. Mai 2018 at 13:18

    Life is more painless for the brainless – was für ein Knallerspruch! Mir hat dein Foto bei Nic gefallen, da wollte ich dir einen Gruss dalassen.

    schönes Wochenende!

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