Mee(h)r im Herzen
Gedanken & Geschichten

Fünf Fragen am Fünften – Juli

Juli, der 7. Monat. Das Jahr hat seinen Zenit überschritten. Und ich hab wieder geschlampert und den letzten Monat Fünf Fragen am Fünften ausgesetzt. Nun ja, et soll ja Spaß machen ne!? So wie übrigens auch das Leben. Das mag im Sommer ja Vielen besonders viel davon bringen. Ich gehöre nicht unbedingt dazu, aber dazu gleich mehr. Was er mir jedoch bringt (und euch natürlich auch) ist mehr Licht zum hinterherschauen, lange Tage, kurze Nächte zum länger nachdenken. Seit Anfang Juni hat sich eine Menge hier getan und dem ist es auch geschuldet, dass der Blog mal wieder etwas zu kurz kam. Gedanken über die Zukunft kamen es wiederum nicht und nein – ich bin noch immer nicht schwanger. Zumindest nicht mit nem Baby 😊 Mit Ideen vielleicht, aber das hat mit Nic´s fünf Fakten nichts zu tun und kommt noch mal wann anders auf den reich gedeckten Blogtisch 😊

Jetzt aber erst mal die Bikinihöschen festgezogen, Eiswürfel in den Weißwein, Barfüße hochgelegt und mitgelesen. (Verdammt, den Text hab ich gestern Abend geschrieben, da ist mir nicht aufgefallen, dass ich den heut morgen posten werde… Also, ersetzt Bikinihöschen mit nem anderen Kleidungsstück und den Wein mit Kaffee. Wenn ihr Glück habt, könnt ihr ja sogar die Füße hochlegen…

 

1. Was magst du am Sommer am liebsten?

Ich würde sagen, den 21. September – Herbstanfang 😊 Nein Spaß, ganz so extrem ist es dann doch nicht. Aber das ist mir der Sommer leider zu oft. Extrem. Darum bin ich nicht sein größter Fan, das habe ich ja auch schon das eine oder andere Mal gaaaaaaanz subtil durchblicken lassen. Ich bin ein Mensch für Übergangsjahreszeiten. Hört mir auf mit extremer Hitze, extremer Kälte, wochenlangem, rasenmetzelndem Sonnenschein, bei dem man sich wünscht, die eigenen Haut hätte einen serienmäßigen Reißverschluss (oder auch Addidas Schnellf*#@$& knöpfe, da bin ich nicht wählerisch) oder Frost von mehr als -5 Grad, der einem die Gänsehaut auch trotz Polarexpeditionsschlüpper entstehen lässt. Also – alles in allem. Es wenig Dinge, die ich am Sommer wirklich, wirklich mag.

Das wäre dann der Moment, in dem du um 4.00 Uhr früh mal Pipi musst und auf dem Weg zum Bad im Garten dem taujungen Morgen begegnest, der dich silbern schimmernd anlächelt. Die Vögel, die früh singen, die Erde, die an Sommermorgenden kühl ist, aber noch nach der Hitze von gestern duftet. Das wären die Blicke in den rosabewölkten Himmel um 22.30 am Strand oder Flussufer, während um dich herum das Leben singt, deine Freunde lachen und du einen tiefen Atemzug des Glücks tust, der bis in die Zehenspitzen kribbelt. Das sind jetzt als Mama Momente der Trägheit auf der Gartencouch im Schatten, während das Kind laaaaaaaaaaaaaaaaange allein in Planschbecken oder Sandkiste spielt und die Eiswürfel im Kaffeeglas leise klirren. Das waren früher die Nächte am Strand noch lange nach Sonnenuntergang, tanzen in der Dunkelheit auf noch warmen Teerdächern über der Stadt, den kühlen Nachtwind in den Haaren. Das ist Einkaufen in Shorts und Bikinioberteil, die Füße voll Sand, das Herz voll Sonne. Das ist das zufriedene Gefühl, wenn du die kack Ninja-Mücke im Schlafzimmer endlich erwischt (sorry, da streikt mein Veganismus, das mit „Freunde, kein Futter“ haben die Viecher nämlich noch nicht verinnerlicht). Das ist Lavendelduft und Teergeruch im heranrollenden Gewitter. Das sind die schweren dunklen Wolken am Horizont, vor denen sich die wehenden grünen Bäume gestochen scharf abheben und das Kribbeln im Bauch, wenn das Donnern lauter wird und der erste Blitz über den Himmel zuckt. Es gibt ja wohl nichts Beeindruckenderes, als ein schweres Sommergewitter. Das ist barfuß laufen von Juni bis September (nein, das habe ich NICHT von Heino und ich schreibe hier nicht #werbung dran).

Das sind Freibad-Pommes Schrankeeeeee und Kieler Woche Wetter (Regen!), Erdbeeren, Kirschen, Himbeeren, Blaubeeren, Wassermelone und Ananas. Das sind die letzten Tage im August, mit Herbstfreude im Bauch, wenn die Äpfel runder und die Sonnenuntergänge roter werden.

Ja, das mag ich alles am liebsten am Sommer. Vielleicht mag ich den ja doch etwas mehr, als zunächst vermutet. Aber hey – lasst mich diese Frage nie für Frühling oder Herbst beantworten. So viel Zeit haben wir hier nicht.

 

 

2. Was an dir ist typisch deutsch?

Gibts „typisch deutsch“ noch, im 21. Jahrhundert in Multikulti-Deutschland? Gut, ich müsste das vielleicht differenzieren, nach „klassisch deutsch“ und „Generation-Y-modernes-social-media-selbstfindungs-Deutschland“.

Klassischerweise bin ich grundsätzlich ordnungsliebend und sauberkeitsverwöhnt. Das hat sich mit Kind auf der perspektivischen Ebene natürlich ein bisschen ähm – evolutioniert 😊, aber grundsätzlich mag ich es sauber und ordentlich, nicht zu voll und recht einheitlich/zusammenpassend.

Das wars auch schon. Ich bin weder besonders pünktlich (aber ich sag IMMER Bescheid), noch überdurchschnittlich effizient oder organisiert, wenig interessiert an Strukturen und erst recht kein Freund von Regelwerken, Step-by-Step-das-muss-jetzt-so´s oder das-haben-wir-schon-immer-so-gemacht´s. Das soll jetzt nicht nach super fancy Revoluzzer klingen, der „total anders ist als alle anderen“, so war ich schon als Kind und ich bilde mir darauf auch null komma null nix ein. Es ist halt so und hat definitiv auch seine Schattenseiten.

Ich glaube, dass Deutschland heute – zumindest in meiner Generation – viel über sich nachdenkt. Sowohl auf das Ego bezogen, als auch über Platz und Funktion von eben diesem in unserem Land. Wir wollen Sinn im Leben, nicht Status. Freizeit mehr als Reichtum und sein wie wir sind, mehr als Bilder die wir sein könnten. Wir versuchen Dinge besser zu machen, sind offen und interessiert, lassen Grenzen in Köpfen schneller verblassen und versuchen unsere eigenen Wunden zu heilen, anstelle sie wutig auf der Welt abzuladen. Zumindest empfinde ich den Zeitgeist sehr oft und immer mehr auf diese Art und Weise, auch wenn die Headlines der Nachrichtensender anderes vermuten lassen. Ja, es läuft viel schief und es ist ne Menge brauner Kacke am dampfen das ist mir bewusst und vermutlich ist die Wahrnehmung da auch sehr ambivalent und natürlich zu einem nicht unbeträchtlichen Anteil, den eigenen Umständen zuzuschreiben. Was ich aber immer mehr mitbekomme ist ein Gefühl dafür, zu verstehen, wie unfassbar privilegiert wir selbst in Europa sind und die Bereitschaft, davon etwas abzugeben und unsere Möglichkeiten zu nutzen. Ich glaube wir werden immer mehr wieder zum Land der “Dichter und Denker”, wenn natürlich auf eine sehr viel digitalisiertere und exzentrischere Art und Weise. Und was das angeht, ja da fühle ich mich sehr zugehörig und „typisch deutsch“.

 

3. An welchem Kurs oder Workshop würdest du gern mal teilnehmen, bzw. was würdest du gern mal lernen?

Damit diese Antwort nicht wieder unendlich lang wird (denn glaubt mir, das Potential ist definitiv da), ausnahmsweise mal eine Liste:

  •  Griechisch
  •  Schwedisch
  •  Italienisch
  •  Hawaiianisch
  •  Surfen
  •  Kiten
  •  Saxophon
  •  Piano
  •  Gebärdensprache
  • Wie man endlich aus dem Quark kommt aus der Idee und den Skizzen und den ersten Teilen, wirklich ein Buch zu machen
  •  Vegane Buttercreme wirklich perfekt hinzubekommen
  •  Einen Barista Kurs
  •  Gälisch
  •  Capoeira und/oder Parcours
  •  Yoga (richtig, nicht hektisches Rumgeknote mit einem Auge beim Lehrer)

Wenn ich hier noch länger drüber nachdenke, fällt mir bestimmt noch Einiges ein und ich glaube fest daran, sollte diese Liste jemals leer sein, habe ich aufgehört zu leben.

 

4. Wo bist du deinem Partner zuerst aufgefallen und er natürlich auch dir?

Sofort, als er den Raum das erste Mal betrat. Gedanken waren „Uff – oooooooookay #herzchenaugen“ – zweiter Blick „Hmpf, zu jung für dich“ (tatsächlich sogar älter, aber danach sieht er nicht aus – SAH er nicht aus, drei Jahre Papa sein hinterlässt Spuren, sorry Liebling).

Skandalöserweise, benötigte er noch einige WOCHEN, um den Wahrnehmungsrückstand aufzuholen. Dann aber hat es gewaltig eingeschlagen und wir waren auch quasi seit dem ersten Kuss ohne jeden Zweifel und drüber sprechen zusammen und gemeinsam wohnend und quasi verlobt und Eltern 😊 Im metaphorischen Sinn natürlich. Hier und hier könnt ihr übrigens mehr über die hauseigene Romanze lesen und weil ich das alles auch schon mal erzählt habe, wird diese Frage kürzer beantwortet…

 

5. Welcher Cocktail beschreibt dich am besten?

Boah, das ist mindestens so gemein, wie die „Was bist du für ein Essen Frage?“, auf die mir Nic dann übrigens geantwortet hat, ich könne ja gar kein Cupcake sein, denn die würde sie gar nicht mögen. 😊

Nun – da ich generell kaum Cocktails trinke, finde ich das sehr tricky. Bin mehr so die Bier und Wein Fraktion.

 

Nichts süßes Sahniges, soviel ist mal klar. Ich würde sagen, im Frühling/Sommer Cuba Libre (Cocktail oder Longdrink?), barfuß durchs Leben schlendernd, mit zerrissenen Jeans, salzig-wirren Haaren, sonnenbrauner Haut und Surferherzen. Im Herbst und Winter vielleicht Moscow Mule. Gemütlich, bodenständig, dezent elegant und schlicht. Passend für Vernissage, oder Restaurantbesuch mit Freunden, aber auch im Lehnstuhl der Bibliothek, bei Gesprächen am Kamin passend, während draußen der Herbstregen an die Fenster klopft.

Ja, ich glaube das passt gut.

Und während der Juliwind hier am Abend gerade kühl wird (es ist der 04.07. 21.23 Uhr) und Weezer mir „Island in the sun“ entgegen flöten, verabschiedet sich auch mein Akku.

Zeit rein zu gehen, noch einen Atemzug Sommerabend mit rein zu nehmen und sich auf den frühen Morgen im Homeoffice, mit Kaffeeduft und Füßen im taufeuchten Gras zu freuen.

 

Im August schaffe ich es hoffentlich wieder! Habt einen feinen Tag und Meehr ihm Herzen!

Verena

 

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