Mee(h)r im Herzen
INSTAgebuch

INSTAgebuch geschrieben – Juli 2016

Weil ich gerade so nostalgisch bin und sehr gern weiter in frühen Gedanken dahin treibe und heute außerdem Sonntag ist und der Göttergatte an diesem Tag seiner Zockleidenschaft frönt, mache ich ausnahmsweise noch mal weiter mit dem nächsten Blogpost und schreibe noch etwas mehr INSTAgebuch… Hach, wenn ihr wüsstet, wie gut sich das anfühlt, das alles hier sicher und gebackupt zu wissen. 🙂 Verrückt übrigens, das ich fast nur über Ben und Mamathemen geschrieben habe. Das mache ich ja heut kaum noch. 🙂

So ändern sich die Zeiten. Ich vermisse es irgendwie, dass sich meine Welt ausschließlich um ihn dreht, aber – es ist auch okay. Das Leben ist nun mal Veränderung. Dieser kleine Mann da, ist heut schon 108 groß. Kinners, ich sage euch…

04.07.2016:

“The moment you doubt whether you can fly, you cease forever to be able to do it!” J.M.Berrie – Peter Pan
Ich wünsche dir ein großes Herz mein Kind, ich wünsche dir eine wilde Seele und einen unbeugsamen Willen. Ich wünsche dir Augen, die sehen und Hände, die fühlen! Ich wünsche dir, dreckige Füße und windzerzauste Haare, ich wünsche dir einen frechen Mund und eine laute Stimme die leise von Liebe sprechen kann! Ich wünsche dir wilde Träume, die du mutig verfolgst; ich wünsche dir unendliche Fantasie, mit der du auf Wolken reitest und Sterne auspustest! Ich wünsche mir, dass du der bist, der du sein möchtest und Flügel, die dich tragen wohin du willst! Und ich wünsche mir, dass wir deine Heimat bleiben dürfen, wohin du auch fliegst!

10.07.2016:

“Forget yesterday, it has already forgotten you. Don’t sweat tomorrow, you haven’t even met. Instead open your eyes to a truly precious gift – today!” Da stehst du mein kleiner Bär und schaust so arglos in die Welt! Ein Sommertag kommt dir vor wie eine Ewigkeit! Du hast noch kein Gefühl für Zeit, für Termine und To-Do-Listen. Du denkst nicht nach über gestern und morgen. Alles, was du brauchst, ist das Heute, sind unsere Liebe und Fürsorge! Du machst dir keine Gedanken darüber, was Gut ist und was Böse, du denkst noch nicht nach über richtig oder falsch – du fühlst einfach Allem hinterher, was du tust und dein Herz gibt dir die Antwort! Kein Wunder, dass du manchmal dramatisch bist und mir an Tagen wie heute den letzten Nerv rauben kannst! Und obwohl du von Alldem noch nichts weißt, bist du doch schon das Zentrum eines ganzen Universums! Die Zeit mit dir ist die einzig Wichtige, du bist mein Leben lang der einzige “Termin”, der zählt, du bist vielleicht nicht alles, was ich bin aber um dich dreht sich alles, was ich tue! Du bist mein gestern, du bist mein morgen – vor allem aber, bist du mein heute!

11.07.2016:

“Und nun sei still Mädchen – lass uns den Sonnenuntergang anschauen. Er ist etwas Besonderes, man kann ihn nur jeden Tag einmal erleben!” – Prinzessin Fantaghiro
Da sitze ich nun im Abendlicht auf dem sonnenwarmen Asphalt, auf dem die Hitze des Tages noch zu spüren ist! Die Sonne verabschiedet den Tag und taucht das abgemähte Feld mit ihrem letzten Licht in flüssiges Karamell, während die Lichter der Großstadt zu mir herüber blitzen. Träge schweben die Flugzeuge über den Dächern herab, im Gepäck Erinnerungen und Eindrücke aus jedem Winkel der Erde! Ich dieses Zusammenspiel von Ländlichkeit und urbanem Leben! Und ich liebe es, hier zu sitzen, den Weizen zu riechen, die Lerchen zu hören und in die Wolken zu schauen! Hin und wieder möchte ich mich klein fühlen, ganz klein, wie das winzige Teilchen im Kosmos, das ich nunmal bin!
Ich will den ausgespannten Himmel über mir sehen und mich von Wolkenbergen in tiefe Demut gegenüber der Welt stürzen lassen! Wir Menschen vergessen gern, wie unwichtig wir sind! Wir halten uns für unbesiegbar, unsterblich und erhaben allem Anderen gegenüber! Dabei sind wir für die Natur nicht mehr, als eine Mohnblüte, die nach einem warmen Sommergewitter schon wieder verschwunden ist! Ich mag es, mich daran zu erinnern! Denn in solchen Momenten, kann ich noch besser verstehen, wie unglaublich viel Glück ich hatte, in diesem stecknadelkopfgroßen Teil dieser Welt zu leben und dann auch noch gesund zu sein, einen liebenden Mann und ein wunderbares, gesundes Kind zu haben um dessen Zukunft ich mir nur bedingt Sorgen machen muss; ich habe Eltern die mich mit Liebe großzogen und mir ermöglicht haben zu sein, was ich sein möchte! Ehrlich Leute alles in, allem – wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit? Schaut in den Himmel, fühlt euch winzig, fühlt euch trotzdem wertvoll, erinnert euch, wie viel Glück ihr hattet und seit dankbar!

26.07.2016:

Da man in den letzten Tagen, Wochen, Monaten den Eindruck hat, überall seien nur noch bösartige und geisteskranke, fanatische Monster unterwegs, jetzt aus Trotz und als Erinnerung: Eine Liebeserklärung an die Menschheit!

Weil wir doch auch anders können. Weil auf der anderen Seite dieser – zur Zeit unendlich erscheinenden Zerstörungswut – in genauso hohem, wenn nicht gar höherem Maß die Fähigkeiten zu lieben und zu erschaffen steht! Weil wir so wissensdurstig sind, dass sich keine andere Spezies so schnell so sehr verändert hat! Weil wir Musik schaffen können, die Jahrhunderte später unsere Herzen noch genauso zu berühren vermag, wie in dem Moment, als die erste Note, dass erste Mal gespielt wurde. Wegen des unerschöpflichen Pioniergeistes, der uns über Grenzen gehen lässt, bis wir unseren Traum erreicht haben! Weil wir so bedingungslos lieben können, das wir Kräfte entwickeln die jenseits aller Vorstellungen liegen, wenn wir für die einstehen, die wir lieben. Weil wir es schaffen, Worte von einer Stärke und Schönheit auf Papier zu bringen, die ganz allein Leben verändern können! Weil wir Kunstwerke entstehen lassen, wegen denen ganze Generationen ehrfürchtig innehalten. Weil wir einander Inspiration und Ansporn, Halt und Heimat sein können! Weil wir tanzen, weil wir singen, weil wir lachen, weil wir Freundschaften schließen, die so viel mehr sind als das! Weil wir den Glauben besitzen, dass alles gut werden kann! Und weil all das von Anfang an in uns ist – in einem so kleinen Menschen, der schon beim ersten Atemzug beginnt die Welt zu verändern.

29.07.2016:

Ich denke oft in Bildern, in Gerüchen, fühle in Farben und träume in Musik. Ich habe bisher vermieden den Versuch zu starten in Worte zu fassen, wie ich das meine, weil ich immer denke, es würde sowieso niemand verstehen. Aber ich versuche es jetzt einmal, weil ich mir vorstellen kann, dass es dem Einen oder Anderen von euch genauso geht. Dieses Zusammenspiel von Bildern, Düften, Farben und Geräuschen, lässt mich häufig mit nur einer Erinnerung, oder einem Bild oder Gegenstand, ein ganzes Lebensgefühl empfinden. Ein paar Beispiele. Ich schaue „Gilmore Girls“ – ich schmecke Kaffee (natürlich, was habt ihr erwartet??) und Ahornsirup, in meiner Nase der Duft von alten Büchern, Herbstblätter und eine rote Farm an der Ostküste, dazu erklingt  leise ein Saxophon. Noch eines- ein Flugzeug am Himmel – ich höre das leise Rauschen der Anzeigentafel am Frankfurter Flughafen, vermischt mit dem Gemurmel der Menschen , rieche Putzmittel, Stein und einen leichten Hauch von Baustaub, sehe die bleiche Morgensonne über dem Rollfeld, die durch die verglasten Fronten fällt und mein Herz pocht voll Vorfreude im Rhythmus der dröhnenden Turbinen – und am Ende das vertraute Piepsen (biuubiuubiuu – um genau zu sein) beim Ablegen der Brücke (okay, an dieser Stelle muss ich natürlich meine Airport-Vergangenheit bedenken – DIESES Lebensgefühl hat sich ganz tief eingebrannt). Der erste richtig heiße Tag des Sommers, das Salzwasser in meinen Adern beginnt zu brodeln. In der Luft der Geruch von Seetang,  Lagerfeuer in der Nachtluft und Sonnencreme auf heißer Haut. Ich fühle zerzauste Haare, voller luftgetrocknetem Meerwasser und Sand zwischen den Zehen oder auch heißen Asphalt unter der Fußsohle. In den Ohren undbedingt Rock und Pop der 90er und Freibadpommes und Wassermelone auf der Zunge. Die September Issues im Herbst – roter Nagellack, der Geruch von neuem Leder, kalter Nieselregen auf der Haut und Jazz im Ohr; Coffee ToGo und ein Besuch im Museeum. Während der Regen aufs Dach trommelt, duftet es drinnen nach Ölfarbe oder kaltem Marmor, leises Geflüster und das Klacken von Stiefelabsätzen auf dem Parkettboden.

London – staubige Luft im Underground-System. der Geruch von Schlick und Metall weht von der Themse in die Stadt. Musik an jeder Ecke – aus allen Stilrichtungen, Zeitaltern, Ländern. Frisch aufgebrühter Earl Grey – Zitrone, Bergamotte und ein Hauch Karamell; Geschichte bei jedem Schritt, die Vergangenheit läuft mit. Ich fühle den rauen, grauen Stein der Tower-Bridge und schmecke zerlaufenen Käse auf heißem Röstbrot vom Borough Market… Ich kann noch unendlich weiter machen!

Habt ihr einen Eindruck von dem, was ich meine? Ich höre nur eines dieser Wörter, denke an einen Ort – und alle Gerüche, Empfindungen, Melodien und Farben dieser Verknüpfungen strömen in Millisekunden auf mich ein. Ich liebe das! Das passiert nicht bei allem, was mir begegnet. “Steuererklärung” zum Beispiel, ruft gar nichts hervor, “Neuwagen” auch nicht unbedingt. Aber ansonsten – habe ich da oben eine Bibliothek von der Größe des Louvre an solchen Verbindungen. Und ich hüte sie wie Schätze, denn sie begleiten mich schon lang, verändern sich – wachsen. Mit jedem neuen Sommer, jedem neuen Buch, jeder neuen Serie, jedem Besuch in einer neuen oder bekannten Stadt, wird diese Bibliothek größer, kommt eine neue Lebensgefühl-Verknüpfung hinzu. Ich benutze sie ein bisschen, wie einen Kleiderschrank.

Es gibt Lebensgefühle, die ziehe ich nur im Sommer an, nur im Herbst, Frühling oder Winter. Nur in einer bestimmten Stadt oder einem bestimmten Ort – ja, sogar nur bei bestimmten Büchern oder Zeitschriften, in bestimmten Restaurants… Und das macht Spaß, es macht das Leben vielfältiger. Ich weiß nicht, ob das noch Andere von euch machen und ich habe bis heute kein Wort dafür gefunden.

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